Digitales Gesundheitsmanagement

In ihrer Samstagsausgabe vom 22. November berichtet die FAZ über Entwicklungen im digitalen Gesundheitsmarkt und zitiert eine nicht veröffentlichte Studie des Krankenhauskonzerns Asklepios. Dieser zufolge sucht schon heute jeder zweite Bundesbürger Rat beim digitalen Doktor, also im Netz.

Das Ergebnis überrascht nur auf den ersten Blick. Denn schnell stellt der Artikel (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/bei-gesundheitsfragen-dr-med-schlaegt-dr-google-13279332.html) klar, dass die Deutschen sich online erste Informationen oder sogar Diagnosen zu vermeintlichen Erkrankungen verschaffen, dann aber doch einen real greifbaren Arzt aufsuchen. Damit ähnelt das Verhalten der Patienten im Netz durchaus dem kommerziell getriebenen der Verbraucher. In dieser Rolle suchen die Menschen häufig auch nach ersten oder vertiefenden Informationen im Netz, schauen sich Produkte dann physisch vor Ort, am Point of Sale an und kaufen schließlich, wo es am billigsten ist.

Während die Verfügbarkeit individueller Gesundheitsdaten von Patienten und der Politik selbst im Hinblick auf deren fachliche Nutzung kritisch gesehen wird, erfassen immer mehr Menschen Millionen von Daten über Fitnessarmbänder und Healthapps völlig freiwillig. Auch hier lassen sich Parallelen zum Selbstverständnis der Bürger als Verbraucher ausmachen: Dem berechtigten Interesse an umfassendem Datenschutz einerseits steht die teilweise hemmungslose Offenbarung intimster Information in den Sozialen Medien gegenüber.

Wie weit sind wir noch von dem Tag entfernt, an dem wir unser Kranken- und Lebensversicherungen über gleitende Tarife abschließen, die vor dem Hintergrund schwankender Vital-Werte jeden Tag aufs Neue adjustiert werden? Big Brother ist schon lange keine Utopie mehr. Auch nicht im Gesundheitsmarkt. Und er ist einer von uns!

Verfasst von Günter Lewald am