Fit, gesund und gut versichert?

Mit dem Nike Fuelband fing es an, mit den Smart Watches geht es weiter: Der Trend, alle digitalen Möglichkeiten zu nutzen, um die eigene Fitness zu messen, zu kommunizieren und mit anderen auszutauschen geht ungebrochen weiter. 

Lauf-Apps bieten Jogging-Enthusiasten sogar die Möglichkeit, ihre Performance in Echtzeit zu teilen. Von zehn von Jogging-Online getesteten Apps bot nicht jede eine Funktion zum Intervall-Training an, sehr wohl aber zum Teilen (vgl.: http://www.joggen-online.de/blog/lauf-app-test.html). Kein Wunder, dass immer mehr Krankenversicherer auf die Idee kommen, aus diesem Trend etwas zu machen.
 
Nicht alle sehen den Trend zum Sammeln und hemmungslosen Tauschen von Fitnessdaten positiv. Erst recht nicht die Idee der Krankenversicherer, aggregierte Körper- und Bewegungsdaten zukünftig für Tarifmodelle zu nutzen, die vermeintlich gesunde Lebensstile mit Rabatten, also Abschlägen belohnen. Schließlich würden die Versicherten ihren Krankenkassen die per Fitness-Armband oder Smartwatch und App gesammelten Gesundheitsdaten, wie Blutdruck, Blutzucker oder Fettspiegel nicht nur übermitteln können, wenn die sich positiv entwickeln. Und davon mal abgesehen: Wer misst eigentlich die aus vielen Sportarten resultierenden Gesundheitsschäden, wie Zerrungen, Muskelrisse und Co.? Das letzte Wort dürfte hier noch nicht gesprochen sein, denn nur die vollständige Erhebung und  Bewertung aller versicherungsrelevanten Daten würde die Diskriminierung großer Teile der Versicherten verhindern. Hinzu kommt, dass die Deutschen der hemmungslosen Nutzung ihrer Daten ohnehin kritisch gegenüber stehen, wenn diese über den Fun- und Freizeitbereich hinaus geht, wie das Com-Magazin schon vor geraumer Zeit im Rahmen einer Umfrage feststellte (http://www.com-magazin.de/news/business-it/deutsche-sorgen-sich-um-datenschutz-6661.html).
 
Die Krankenversicherer sollte das nicht abschrecken, meinte jetzt die Managementberatung Mücke, Sturm & Company (MS&C), nachdem sie die digitale Fitness-Tracker hinsichtlich ihrer Kundenattraktivität und Funktionen analysiert hat. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass sich aus der Nutzung der Fitness- und Gesundheitsdaten der Versicherten monetäre und nicht-monetäre Vorteile für die Krankenversicherer ergeben könnten (http://www.muecke-sturm.de). Die „Experten im Bereich der digitalen Transformation“ liegen da sicherlich nicht falsch. Aber werden Gesellschaft, Politik und Bürger da mitspielen? Zweifel bleiben angebracht.
 

Verfasst von Günter Lewald am